Sido – Blutzbrüdaz: Die Mukke zum Film

Releasedate: 02. Dezember
Label: Universal Music Domestic Rock/Urban
Spieldauer: 54:50
Homepage: Blutzbrüdaz Homepage

Tracklist:

01. Hol doch die Polizei ft. B-Tight
02. Mund auf ft. B-Tight
03. Ans Meer ft. B-Tight
04. Arbeitsamt ft. Favorite
05. Blutzbrüdaz – Alpa Gun
06. Make Room – Erick Sermon
07. Spring rauf
08. Tageslicht ft. B-Tight, Alpa Gun & Doreen
09. Bis zur Sonne ft. B-Tight & Damion Davis
10. Geboren um frei zu sein
11. Bruda hin Bruda her – Haftbefehl
12. Immer tiefer in den Dreck ft. MoTrip
13. Das Leben ist ein Arschloch ft. MoTrip & Laas Unltd.
14. Das bin ich – B-Tight
15. Ich rappe 2012 – B-Tight
16. Jippie Jey – B-Tight & Tony D
17. Endstation Live

Snippet:

Zur Zeit scheint es jedem freizustehen, ein Buch zu schreiben oder einen Film zu drehen. Ob es qualitativ hochwertig ist, spielt kaum eine Rolle. Hauptsache der angebliche Autor ist der Masse ein Begriff. Es muss sich ja nur ein Verlag finden, der dies druckt und eine eher anspruchslose Masse, die es dann auch kauft. Dies tun nicht nur unsere lieben Politiker, sondern auch Rapper versuchen sich immer häufiger daran etwas zustande zu bringen, das sie dann als “Buch” veröffentlichen. Und weil das schon so gut funktioniert hat, wird auch gleich noch eben jenes verfilmt. Die Frage ob dies gut ist oder wirklich sein musste, bleibt offen. Irgendwie muss man ja zu Geld kommen und die Aufmerksamkeit der Leute erregen. Obwohl das eine ja doch sehr mit dem anderen zusammenhängt.

Diese Gedanken kamen mir, als ich das erste mal davon hörte das Sido alias Paul Würdig einen Film drehen wird. Sofort kamen mir drei Worte in den Sinn: “Zeiten ändern dich”. Nun tausche man noch schnell die Protagonisten aus und ändere ein wenig den Verlauf und fertig wäre der Sido-Film. Ich hakte nach und bekam mehrfach die Antwort, dass es nicht wirklich eine Verfilmung seines Lebens sein sollte. Was es letztendlich geworden ist, kann ich leider noch nicht sagen, da ich den Film “Blutzbrüdaz” noch nicht gesehen habe. Die Trailer sind jedoch vielversprechend und ebenso die Mukke zum Film. Womit ich beim eigentlichen Thema wäre.

Denn “Die Mukke zum Film” ist eben genau das. Der Soundtrack zum Film trägt diesen Titel und wurde vorab veröffentlicht. Die 17 Tracks wurden alle von DJ Desue produziert und machen mehr als neugierig auf den dazugehörigen Film.
“Hol doch die Polizei” ist der erste Titel und erinnert doch sehr an Sidos Anfänge bei Aggro Berlin. Ein junger Rapper, der macht was er will und der die Konsequenzen eher lustig findet als sie ernst zu nehmen, selbst wenn es sich hierbei um die Staatsgewalt handelt. Diese Stimmung wird bei den ersten 3 Tracks beibehalten, welche alle zusammen mit B-Tight aufgenommen wurden, der nicht nur im Film eine wichtige Rolle einnimmt. Auch zum Soundtrack hat er einige Features und Solotracks beigetragen. Die beiden rappen und schauspielern jedoch nicht nur zusammen, sie versuchen sich auch mit “An’s Meer” mal am Singen. Eher schlecht als recht und ehrlich gesagt kann ich darauf verzichten. Beim erstmaligem Hören fand ich es zweifelsohne amüsant und erinnerte mich stark an die Szene aus einem Trailer des Films, in dem beide aufgefordert werden zu singen und man auch eine Hörprobe dessen genießen kann. Auch hier klingt dies eher nach den Castings von DSDS, doch der Produzent im Film findet es gelungen. Tatsächlich wird in der kurzen Szene eben dieser Song angesungen. Wieder ein Grund mehr für mich den Film zu sehen.

Allerdings lohnt sich der Soundtrack auch ohne den Film gesehen zu haben, denn nicht nur B-Tight lieferte hierzu einiges ab. Einige nennenswerte Größen gaben ebenfalls ihren Senf dazu, sogar solche von denen man es weniger erwartet hatte, so zum Beispiel Favorite, der zu Aggro Berlin-Zeiten mit einigen Disstracks gegen eben jenes Label für Aufsehen gesorgt hatte. Mit “Arbeitsamt” haben er und Sido einen Track erschaffen, der sehr humorvoll aber auch sozialkritisch ist. Vor allem Favorite, der ja doch irgendwie dafür bekannt ist, erstaunte mich hier mit der Art wie er rappte. Er macht Pausen, wo man keine vermutet und umgekehrt, jedoch alles sehr passend zum Beat. Zudem empfand ich die beiden Stimme als sehr harmonisch.

Gleichnamig zum Film fand man auch den Track “Blutzbrüdaz”. Er wurde vom ebenfalls im Film auftauchenden Alpa Gun aufgenommen und ließ meine Gedanken kurz zu meiner letzten Review schweifen. War dort nicht etwas von der Versöhnung Sidos und Bushidos zu lesen? Man könnte behaupten, der Track sei ja nicht von Sido selbst, aber immerhin nahm er ihn mit auf seinen Soundtrack. Oder eine versehentliche Erwähnung? Vielleicht auch nur Alpa Guns Filmrolle? Egal, doch die Zeile „Fick mal den Film von Bushido” blieb mir im Gedächnis. Wobei wohl niemand ernsthaft an die Versöhnung geglaubt hat. Doch nicht nur Favorite und Alpa Gun sorgten für eine Überraschung. “Make Room” von Erick Sermon ist ein englischsprachiger Track. Zwar der Einzige, aber immerhin.Allerdings wirkte er auf mich wie eine Zäsur.

Natürlich gab sich ebenfalls Sidos langjährige Freundin Doreen die Ehre. Bei “Tageslicht” sang sie die Hook und überzeugte mich, wie schon so oft, mit ihrer Stimme. Zudem zeigt er die Schattenseiten des Ruhms auf, mit denen sich Sido in seinen früheren Texten eher weniger auseinandergesetzt hatte. Allerdings immer noch auf die typische „Sido-Art“. Man nimmt dann eben Drogen oder betrinkt sich, anstatt etwas zu ändern. Ob Sido wirklich so denkt, lasse ich seine Sorge sein.

“Immer tiefer in den Dreck” mit MoTrip und “Das Leben ist ein Arschloch” zusätzlich noch mit Laas Unltd. zeigen ebenfalls, dass nicht alles was Gold ist glänzt. Jedoch auch das man nur etwas daran ändern kann, wenn man es selber tut. Ich war anfangs unsicher ob Laas’ Stimme zu MoTrip und Sido passen würde, doch es harmonierte sehr gut, ohne dass Laas seinen Stil groß verändern musste.
Der Soundtrack endet mit “Endstadion”, welcher Live aufgenommen wurde. Ein gut gewählter letzter Track und passt wohl auch zum Ende des Films. Zumindest so wie ich ihn vermute.

Es gibt aber leider auch einige negative Punkte die ich ansprechen muss. Die Singleauskopplung “Geboren um frei zu sein” ist allgemein ein schöner Track, mich stört aber Rio Reisers Stimme, da es oftmals so klingt, als hätte er die Hook schief gesungen. Noch mehr als seine Stimme störte mich jedoch Haftbefehls Track “Bruda hin Bruda her”. Ich bin von Haus aus schon kein Fan von ihm gewesen und er konnte mich mit dem Track auch nicht vom Gegenteil überzeugen. Der Text passt zu Thema, aber der Song passt einfach nicht zum Rest des Soundtracks.

Alles in allem kann ich den Soundtrack jedoch nur empfehlen auch ohne den Film gesehen zu haben. Als nächstes steht auf der Film auf dem Programmplan und wenn er nur halb so gut ist wie der Soundtrack, kann er wohl tatsächlich den Film von Bushido „ficken“.

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Erwachsenwerden? ich mach ja viel Scheiß mit, aber nicht jeden!

Tags: , , , , , , 140 Zeichen, Featured, National | 7. Januar 2012

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