Blumio – Drei

Releasedate: 13. April 2012
Label: Japsensoul
Spieldauer: 56:51
Homepage: Blumio

Erwartung an das Album:

Woher kennt man eigentlich Blumio? Ahja, da war dieses kleine aber feine Video Meine Lieblingsrapper, in dem er eine Menge bekannter Rapper imitierte. Und das sehr gekonnt. Blumios Version von Massiv ist mir immernoch in fabelhafter Erinnerung. Natürlich wollte der niedliche Japaner zeigen, dass er nicht nur Rapper nachahmen kann, sondern auch selbst etwas zu erzählen hat und so folgten die ersten Alben des Imitators. So richtig im Kopf blieb mir dabei allerdings nur das (un)freiwillig komische Video zu Rosenkrieg. Unbedingt angucken. Genau dafür wurde der Begriff “Fremdschämen” erfunden. Blumio gehört irgendwie nirgendwo dazu. Weder ist er einer der Alteingesessenen, noch einer der momentan Aufsteiger. Blumio ist eben Blumio. Und damit zumindest ein Unikat. Man merkt, ich bin nicht gerade angetan von unserem gelben Freund, ich habe mich bisher auch noch nie auf Albumlänge mit ihm beschäftigt, aber ich lasse mich gerne positiv überraschen. Zeit für Drei.

Tracks:

1. Das Ist Drei

Ein kleiner Rundumschlag gegen andere Rapper, Dummheit und Dschungelcamp. Das wirkt technisch längst überholt und wenig spektakulär. Als Intro zu kraftlos und uninteressant.

2. Alieninvasion!

Aliens. Endlich hat die Menschheit die Aliens entdeckt und führt natürlich erstmal Krieg. Man will ja zeigen wer hier der Boss ist. Kräftiger Bass dröhnt durch die Lautsprecher. Ganz nett erzählt und vorgetragen. Die Hook ist dagegen nervig.

3. Der Letzte Samurai

Blumios Battletrack. Wütend und hungrig schießt er wild um sich während die Sprachhülsen neben ihm zu Boden prasseln. Der aggressive Blumio gefällt mir gut. Ist nicht die Offenbarung, aber ein guter Track mit hervorragendem Beat.

4. Alles Anders

3 Geschichten die beweisen, dass man sich immer treu bleiben sollte und am Ende des Tages nur zählt, dass man selbst mit sich zufrieden ist. Die Gesangshook passt wunderbar. Der Beat stresst mich ein wenig. Geht so.

5. Das Passiert Mir Sonst Nie

Blumio rappt entgegen aller Rapperklischees von Erektionsproblemen. Das soll zwar auf Biegen und Brechen witzig sein, ist es aber nur bedingt. Und diese eklige Hook. Na gut, nächster Titel bitte.

6. Vergiss Das Nie

Aussage: Jeder hat seine Leichen im Keller.  Drückende Stimmung, düsterer Beat, schön gesungener Refrain.

“Wer frei von Sünde ist werfe den ersten Stein.”

7. Zeitkapsel

Ein Brief an den Blumio im Jahre 2035. Neben Detox liegt Drei. Ja, das wird den alten Blumio freuen, wenn er das hört. Und Pimpulsiv wird zum mittlerweile 2. mal auf der Platte gedisst. Jetzt verdient es Erwähnung. Kann man sich geben, muss man aber nicht.

8. Immer Noch Die Kings feat. Habesha

Der erste totale Ausrutscher. Eine schreckliche, Brechreiz erzeugende Hook, langweiliger Beat, nichtssagender Representer und uninteressantes Feature. Bitte nichts mehr in der Form. Nie wieder.

9. Die Wundervollste Zeit

Auch ein trauriger Song über verlorene Liebe darf nicht fehlen. Das Ganze klingt so, wie man es vermuten würde. Nur der Refrain… Aus der Belanglosigkeit der Strophen hinaus und rein in die effektgeladene Ekligkeit. Das tut weh, Blumio. Zum Ohrenausreißen.

10. Killepitsch feat. Jayjay (Intro)

Skit. Nur ne gaaaanz winzige Einführung in den nächsten Song.

11. Killepitsch feat. Jayjay

Ich bin in einer Dauerschleife an Kotzhooks gelandet. Und mit jeder Hook wird es schlimmer. Killekillekillekillekillepitsch oder so. Das ist alles. Immer wieder dieses Scheissgelaber im Ohr. Wenn ich nicht diese Review schreiben müsste, wär ich jetzt ausgestiegen. Drei Songs, dreimal zuckt der Skipfinger unaufhörlich. Achja, es geht um Party und Saufen. Und würg. Mir ist schlecht.

12. Gott vs. Teufel

Gott kämpft gegen den Teufel. Textlich werden da keine Bäume ausgerissen. Ein Kampf eben. Der kleine Twist am Ende, weswegen Gott und Teufel kämpfen, ist einzig wert den Song zu Ende zu hören. Achja, dieses wiederholende Ding alle 16 Zeilen. Nochmal unerträglich.

13. Song für die verregneten Tage

Endlich ein Lichtblick. Wunderbarer Song. Und er hält was er verspricht. Eben ein Song für verregnete Tage, von denen wir ja genug haben in Deutschland. Scheißtage kenn ich zur Genüge und ein weiteres Lied, das die Stimmung auffängt kann nie schaden. Widefeld mag dich ganz doll.

14. Mein Ganzes Leben In 7 Minuten

Blumio lässt sein Leben Revue passieren. Interessanter, tiefer Blick in die Vergangenheit des Künstlers. Zwischen Mobbing in der Schule, Schläge vom Vater und den ersten Gehversuchen im Rapbusiness. Dauert solange wie eben nötig und ist durchaus hörenswert.

15. Wir Träumen Gemeinsam Von Besseren Tagen (Video ansehen)

Der letzte Song. Es geht um die Morde an ausländischen Kleinunternehmern und den Umgang der Behörden damit. Für mehr Zusammenhalt und gegen Nazis. Da kann man ja nicht widersprechen. Übrigens das Unwort, mit dem die Medien diese Morde bezeichneten, war das klischeehafteste, respektloseste, und ekligste das mir in diesem Kontext je zu Ohren kam.

Fazit:

Der Japaner mit dem Irokesen ist ein Fall für sich. Sein Gespühr für Kotzwürg-Refrains ist ausgeprägter als der eines Kollegah Schrägstrich SunDiego. Unfassbar. Wenn er singt und etwas musikalischer wird klingt das meist um Jahre besser. Ich empfehle mehr davon. 4-5 Songs sind durchaus zu empfehlen und mein Highlight für die verregneten Tage wird noch öfter in meinem Walkman rotieren. Walkmans sind cool. Das Album ist themenreich und abwechslungsreich. Interessenten sollten aufjedenfall mal reinhören und sich selbst ein Bild machen. Mich hat er zwar nicht überzeugt, aber er ist immerhin in meine Playlist aufgenommen. Glückwunsch dafür. Außerdem ist der Kerl irgendwie sehr sympathisch und knuddelig. Nix sehen, nix sagen, nix hören. Drei.

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Zwischen Genie und Wahnsinn schwankendes, misanthropisches Ungetüm an literarisch geballter Gewalt, gebannt, gebändigt und zu Papier gebracht von Widefeld...

Tags: , 140 Zeichen | 13. April 2012

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